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Niederfinow: Wo die Schiffe Fahrstuhl fahren

Schiffshebewerk am Oder-Havel-Kanal
Schiffshebewerk am Oder-Havel-Kanal

Bereits seit 400 Jahren verbindet der Finowkanal die Oder mit der Havel. Die Verknüpfung trug wesentlich zur Entwicklung der Region bei, seit dem Friedrich II. im Jahr 1743 erlassen hatte, den Kanal für den Transport von Gütern schiffbar zu machen. Holz, Salz und Hafer wurden seinerzeit über verschiedene Schleusen auf dem Kanal transportiert. 1906 hatte der Finowkanal seine Kapazitätsgrenze erreicht. Ein "Großschifffahrtskanal", der heutige Oder-Havel-Kanal, löste den alten Wirtschaftsweg auf dem Wasser ab und schrieb seit 1934 Industriegeschichte. Der eigentliche Finowkanal mit seinen alten, handbetriebenen Schleusen wird heute von Wassertouristen wieder entdeckt.

14.000 Tonnen Stahl

Technikbegeisterte aus aller Welt zieht das Schiffshebewerk Niederfinow in seinen Bann. Seit 1934 ist der Fahrstuhl für bis zu 84 Meter lange Schiffe im Betrieb und das soll auch bis 2025 so bleiben. Das Bauwerk ist das älteste sich in Betrieb befindliche Schiffshebewerk Deutschlands und ein Industriedenkmal gemäß der Haager Konvention. Insgesamt 36 Höhenmeter werden die eingefahrenen Schiffe in nur fünf Minuten gehoben oder abgesenkt. Der gesamte Vorgang des Schleusens dauert inklusive der Ein- und Ausfahrt 20 Minuten. Für das 60 Meter hohe, 27 Meter breite und 94 Meter lange Hebewerk wurden nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde 72.000 Kubikmeter Beton und 14.000 Tonnen Stahl verbaut.

Neubau für Großmotorgüterschiffe

Allein 300 Bohrungen waren nötig um ein Bodenprofil des schwierigen Baugrundes zu erstellen. Die neun Gründungspfeiler des Hebewerkes mussten dann mehr als 20 Meter tief in den Boden getrieben werden – erst in dieser Tiefe waren die Ingenieure auf tragfähige Schichten für den Kollos gestoßen. Sieben Jahre lang währte die Bauzeit – erste Planungen für das Schiffshebewerk stammen aus den Jahren 1906, 1912 und 1914. 27,5 Millionen Reichsmark kostete der schließlich 1927 begonnene Bau. Seit 2008 bekommt das Hebewerk Gesellschaft: Nördlich wird ein neues Schiffshebewerk gebaut, das den Anforderungen des modernen Güterverkehrs auf dem Wasser genügen soll. Nach seiner Fertigstellung kann es bis zu 110 Meter lange Schiffe abfertigen und das an seine Kapazitätsgrenzen geratende alte Werk entlasten. Einen Überblick über die Binnenschifffahrt auf der Oder bietet das gleichnamige Museum in Oderberg: Dort können sich die Besucher über Fischerei, Flößerei sowie die Wasserstraßen in der Umgebung informieren.
 

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