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Der Weihnachtsmann wohnt in Himmelpfort

Die braune Holzempore vor dem Postamt in Himmelpfort ist gut besucht. Von dort aus ist die kleine Filiale gut zu überschauen. "Wo ist denn nun der Weihnachtsmann?", will ein kleiner Junge mit roter Pudelmütze von seinen Eltern wissen. "Der schaut bestimmt nur kurz nach seinen Rentieren", antwortet seine Mutter. Und richtig: Wenig später stapft der weißbärtige Santa Claus auch schon zurück an seinen derzeitigen Arbeitsplatz am Postschalter des 550-Einwohner-Ortes im Landkreis Oberhavel. In der Klosterstraße 29 nehmen der Mann in Rot und seine in Gold gewandeten Engel die Weihnachtswünsche der Kinder höchstpersönlich entgegen.

Postbeamtin mit Herz

1984 kamen in Himmelpfort, 70 Kilometer nördlich von Berlin, erstmals zwei Briefe von pfiffigen Kindern aus Sachsen und Berlin an: Irgendwo muss der Weihnachtsmann ja schließlich wohnen, dachten sich wohl die beiden Absender. Die Postbeamtin des kleinen Ortes konnte die Briefe nicht zustellen, brachte es aber nicht übers Herz, die Wunschzettel mit dem Vermerk "Empfänger nicht ermittelbar" zurück zu schicken. Also antwortete sie den beiden Kindern. Das sprach sich auch im Zeitalter vor Internet und Social Media fix herum: Im darauf folgenden Jahr musste die Frau noch mehr Briefe beantworten – bis 1989 fanden in jedem Jahr zur Weihnachtszeit bis zu 75 Briefe ihren Weg zum Himmelpforter Weihnachtsmann.

Hunderttausende Briefe aus der ganzen Welt

1995 musste die Deutsche Post dann erstmals "Weihnachtsmannhelfer" einstellen – anders war die Flut der bis zu 2.000 Briefe pro Tag nicht mehr zu bewältigen. Rund 300.000 Briefe aus der ganzen Welt finden jährlich ihren Weg nach Himmelpfort. Kinder aus 81 Ländern, etwa aus Kenia, Brasilien oder Australien, vertrauen dem Weihnachtsmann in Brandenburg ihre Wünsche, aber auch Sorgen an. Und sie alle bekommen eine Antwort – das Weihnachtsmann-Team beherrscht 17 Sprachen, darunter litauisch, japanisch oder ungarisch – und eine kleine Überraschung zu Weihnachten. Ein Abstecher in den staatlich anerkannten Erholungsort, seit 2003 ein Ortsteil der Stadt Fürstenberg/Havel, lohnt übrigens nicht nur zur Weihnachtszeit. Zisterzienser-Mönche gründeten 1299 das Kloster Himmelpfort, dessen Efeu umrankte Ruine auch heute noch zu besichtigen ist.

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