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Obst und Auerhühner in der Niederlausitzer Heidelandschaft

Niederlausitzer Heidelandschaft

Ein gelungenes Beispiel dafür, wie ehemals militärisch genutzte Areale wieder friedlichen Zwecken dienen können, ist der ehemalige Truppenübungsplatz Bad Liebenwerda. Dort, wo 30 Jahre lang auf für die Allgemeinheit abgesperrtem Gebiet Panzer durch die Landschaft lärmten, rollen heute Kremser durch violett blühende Besenheide-Felder. Das Heidekraut gab dem Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft seinen Namen. Seit 1996 besteht der 484 Quadratkilometer große Naturpark mit 13 Naturschutz- und sieben Landschaftsschutzgebieten. Ausgedehnte Wälder, die Heide, ein Moor und Kippenflächen früherer Tagebaue bieten seltenen Tier- und Pflanzenarten Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten. Außerdem beherbergt der Naturpark Brandenburgs größtes zusammenhängendes Streuobstgebiet. Die Bedeutung der Konversion für das Land Brandenburg ist bereits durch die Aufnahme in die Verfassung des Landes Brandenburg festgeschrieben.

Torf für medizinische Zwecke

Einen Vorteil hat so ein militärisches Sperrgebiet: Es wird nicht von Straßen durchkreuzt. So gibt es im Naturpark riesige Wälder, die lediglich von Wanderwegen erschlossen sind. Der Bestand an Traubeneichen-Mischwald ist in dieser Größenordnung wohl einmalig in Deutschland. Nördlich von Hohenleipisch erstreckt sich das Naturschutzgebiet Loben, ein 670 Hektar großes Flachmoor. Bis vor wenigen Jahren wurde im südlichen Teil des Moores Torf für medizinische Zwecke abgebaut. Heute ist es Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie den Rundblättrigen Sonnentau. Die Insekten fressende Pflanze wächst nur auf feuchten, nährstoffarmen Böden mit niedrigem pH-Wert – also in Mooren und Feuchtgebieten.

Schwedische Hühner im Elbe-Elster-Land

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in der Lausitz noch 400 Auerhühner. 1998 wurde die letzte Henne in Südbrandenburg gesichtet. Im Naturpark soll der scheue Vogel, der zur Familie der Fasanenartigen gehört, nun wieder heimisch werden. Immerhin haben sich die Lebensbedingungen in der einstigen Heimat des Bodenbrüters, der deutschlandweit auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten steht, entscheidend verbessert. 15 Jahre lang bereiteten engagierte Naturschützer das "Auerhuhn-Projekt" vor. Im Mai 2012 wurden 27 wild gefangene Hennen aus Schweden, von denen man annahm, dass sie bereits befruchtet waren, in die Niederlausitzer Heidelandschaft umgesiedelt. Die Tiere werden per Satellitentelemetrie überwacht, um Erkenntnisse über ihr Verhalten, ihre Ausbreitung und mögliche Todesursachen zu erhalten. Das dreijährige Pilotprojekt wird von der Europäischen Union und dem Land Brandenburg finanziert und von zahlreichen Projektpartnern unterstützt.

Sortenvielfalt erhalten

Um die Arterhaltung in Vergessenheit geratener Obstsorten geht es den Pomologen im Pomologischen Schau- und Lehrgarten bei Döllingen. Die Obstkundler züchten 300 verschiedene Sorten Äpfel, Pflaumen, Kirchen, Quitten, Nüsse und Pfirsiche, die längst aus den modernen Obstgärten verschwunden sind. Nach Voranmeldung kann die Anlage erkundet werden. Auf einer eigens eingerichteten "Apfelroute", können Besucher Brandenburgs größte Streuobstregion im Naturpark auf eigene Faust entdecken und regionale Produkte aus heimischen Äpfeln verkosten.

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