Kontakt

Bildergalerie

Download

Interview

Anpacken und Bewegen

25 Jahre Brandenburg: Rolf Hüffermann, Inhaber des Traditionsunternehmens Hüffermann Transportsysteme GmbH in Neustadt (Dosse)
Logo "Am Mute hängt der Erfolg"

Bodenständig und hoch innovativ – so präsentiert sich der Fahrzeugbauer Hüffermann aus Neustadt (Dosse), das 2014 mit dem „Zukunftspreis Brandenburg“ ausgezeichnet wurde – einem der wichtigsten brandenburgischen Wirtschaftspreise. Das Unternehmen ist mit 180 Mitarbeitern Spezialist für LKW-Anhänger für Wechselbehälter und Abrollcontainer, LKW- und Sonderaufbauten, Entsorgungsfahrzeuge sowie Ladungssicherungssysteme aus eigener Entwicklung. Hüffermann hat Kunden in der ganzen Welt – fast ein Drittel der Produktion geht in den Export. Wie eine Betriebsstätte, die aus der Übernahme eines ehemaligen Kreisbetriebes für Landtechnik hervorgegangen war, den Weg zum Premiumhersteller mit individuellem Angebot bewältigte, darüber sprach die Wirtschaftsförderung Brandenburg mit dem Inhaber Rolf Hüffermann.

Portraitbild Rolf Hüffermann
Rolf Hüffermann, Inhaber der Hüffermann Transportsysteme GmbH

 

WFBB: Wie und wo haben Sie den 9. November 1989 erlebt?

Rolf Hüffermann: Das war damals ja eine unheimlich bewegte Zeit. Vom Mauerfall habe ich aus den Medien erfahren. Ich bekam dann einen Anruf meines Freundes Reinhold Stöver – wie ich Unternehmer. Er war viel unterwegs in der ehemaligen DDR. Wir wollten uns unbedingt wirtschaftlich engagieren. Das war für uns eine Herzensangelegenheit. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich an die Tage, Wochen und Monate des Umbruchs denke.

 

WFBB: Wann hat sich Ihr Unternehmen entschieden, in Brandenburg zu investieren?

R.H.: Am Tag der Wiedervereinigung. Da fand in meinem Heimatort Wildeshausen ein Ökumenischer Gottesdienst statt, an dem auch der spätere Amtsdirektor von Neustadt (Dosse) teilnahm – Edmund Bublitz. Er schilderte mir die Situation in dem ehemaligen Kreisbetrieb für Landtechnik, dem KfL. Da habe ich ihm zugesagt, mir das anzuschauen, war drei Tage später vor Ort und dann nahm alles seinen Lauf. Dabei hat uns Herr Bublitz kräftig unterstützt. Sein Beitrag war nicht selbstverständlich und hat entscheidend mit dazu beigetragen, dass sich alles so schnell und unkompliziert entwickeln konnte.

 

WFBB: Warum fiel Ihre Wahl auf Brandenburg?

R.H.: In Neustadt waren schon erste unternehmerische Initiativen zu erkennen. Da gab es erste Kontakte zum Fahrzeugbau-Unternehmen Langendorf in Waltrup. Den eigentlichen Ausschlag aber gaben die Menschen. Sie sind mir als Norddeutschem von der Mentalität her sehr nahe – eine interessante Mischung aus Mecklenburgern und Berlinern. Ich hatte sofort den Eindruck, dass sie gewohnt waren anzupacken. Und das war eine Grundvoraussetzung. Denn der Betrieb war in einem erbarmungswürdig schlechten Zustand. Mitten auf dem Hof stand beispielsweise ein museumsreifes Heizkraftwerk. Überall lagen alte Holzkisten rum, die dort verfeuert wurden. Keine einzige Halle hatte die für den Bau von Anhängern nötige Torhöhe für LKW-Einfahrten. Kurzum, wir mussten sofort loslegen. Und das taten wir dann auch.

 

WFBB: Wie beurteilen Sie rückblickend diese unternehmerische Entscheidung?

R.H.: Das Engagement in Neustadt ist mein zentrales Lebenswerk. Das hier aufgebaut zu haben, bedeutet mir unheimlich viel, auch wenn es keineswegs einfach war. In meiner Heimat haben mich viele angesichts der Ausgangslage für verrückt erklärt. Aber das hat mich nicht abgehalten, mich mindestens zweimal in der Woche morgens um fünf Uhr ins Auto zu setzen und nach Neustadt (Dosse) zu fahren. Und wenn ich mich heute hier so umschaue, erfüllt es mich mit Stolz zu sehen, dass die damalige Entscheidung richtig war und dass wir die Herausforderung gemeistert haben.

 

WFBB: Wie haben Sie den Übergang von der DDR-Planwirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft erlebt?

R.H.: Das war nicht einfach. Wir haben den Betrieb zu den harten Treuhand-Bedingungen gekauft. Und ich weiß noch genau, wie kurz vor der Unterschrift ein anonymes Schreiben auftauchte, in dem Zweifel an der Seriosität meines Engagements geäußert wurden. Später hat sich der Verfasser bei mir gemeldet und sich entschuldigt. Aber das nützte mir anfangs nicht viel, denn die Leute waren natürlich verunsichert. Diese Verunsicherung löste sich im Lauf der Zeit dann auf, weil es offensichtlich gelungen war, die Belegschaft durch Ehrlichkeit und Offenheit mitzunehmen. Das ist auch heute für mich Maßstab unternehmerischen Handelns.

 

WFBB: Wie wurden Sie am neuen Standort aufgenommen?

R.H.: Vor dem Hintergrund dieses anonymen Briefes schlug mir natürlich Unsicherheit, Skepsis und Misstrauen entgegen. Ich weiß noch genau, wie das war, als ich das erste Mal in den Betrieb kam und mich die knapp 70 Beschäftigten anschauten. 140 Augen waren auf mich gerichtet, als ich versucht habe, ihnen einen Weg aufzuzeigen, der für sie nachvollziehbar und glaubwürdig war. Das geht nahe. Ich habe die deutsche Einheit tief in meinem Innern erlebt.

 

WFBB: Wenn Sie die Geschichte zurück drehen könnten, in welchem Jahr würden Sie die Zeitmaschine stoppen, um eine andere Entscheidung zu treffen?

R.H.: Gar nicht. Ich würde alles sofort wieder so machen. Der einzige Punkt aus heutiger Sicht ist die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, auf der grünen Wiese zu bauen, denn jetzt stoßen wir von den Kapazitäten her an unsere Grenzen. Aber da werden wir auch noch eine Lösung finden.

 

WFBB: Was waren die größten Herausforderungen am neuen Standort und wie haben Sie diese gemeistert?

R.H.: Zu den größten Herausforderungen gehörte zweifellos der Umbau des Standortes unter rollendem Rad. Schließlich mussten ja auch die Geschäfte am ursprünglichen Stammsitz Wildeshausen weitergehen. Das war nur zu schaffen, weil alle angepackt haben – auch und gerade in Neustadt. Das wurde einfacher, als wir Ende der 90er Jahre Neustadt zu einem eigenständigen Standort gemacht haben.

 

WFBB: Haben Sie eine besonders prägende Anekdote erlebt, die Sie uns erzählen wollen?

R.H.: Ja, das war ein Erlebnis auf dem Grundbuchamt. Dort bin ich morgens hingekommen und musste stundenlang warten, weil der Mitarbeiter völlig überlastet war. Nicht einmal eine funktionstüchtige Schreibmaschine hatte er. Abends wollte er mich unverrichteter Dinge nach Hause schicken. Da habe ich ihm gesagt, dass er mich hier nicht wegkriegt, ich notfalls im Amt übernachten würde. Gleichzeitig habe ich ihm angeboten, ihm am nächsten Tag eine Bilanzbuchhalterin samt Schreibmaschine zur Unterstützung zu schicken. Darauf ließ er sich ein. Ich bekam meinen Grundbucheintrag und er tüchtige Unterstützung für zwei Tage.

 

WFBB: Wo sehen Sie sich/Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

R.H.: Wir wollen unseren Weg des bodenständigen Wachstums weitergehen. Wir bleiben Premiumhersteller mit individuellem Angebot, regional verankert und gleichzeitig mit Blick auf die internationalen Märkte. Innovationen haben bei uns einen hohen Stellenwert – nicht umsonst sind wir Partner im Projekt „Schaufenster Elektromobilität“ des Bundes. Was keiner kann, kann Hüffermann – das bleibt Leitschnur unseres Handelns.

 

WFBB: Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an das Land Brandenburg denken?

R.H.: Da will ich denen, die sich um Unternehmer kümmern, ein dickes Kompliment machen. Hier wird man wirklich gut bedient. Ansonsten fällt mir außerdem noch sofort die Lebensqualität ein. Hier fühle ich mich wohl.

 

WFBB: Was finden Sie am beeindruckendsten am Land Brandenburg. Hat Sie Brandenburg zu etwas inspiriert?

R.H.: Inspiriert ist nicht der passende Ausdruck. Es ist eher das Gefühl tiefer Zufriedenheit, dass ich hier in Brandenburg ein Stück deutscher Einheit mitprägen konnte.

 

WFBB: Herzlichen Dank für diese spannende Firmengeschichte. Wir wünschen Ihnen, Ihren Mitarbeitern und Ihrem Unternehmen alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

 

Brandenburg hat sich in den 25 Jahren seit dem Fall der Mauer erfolgreich zu einem modernen Wirtschaftsstandort entwickelt. Dieser Erfolg ist eng mit dem persönlichen Einsatz von Unternehmern und Beschäftigten verbunden. Anlässlich des Jubiläums hat die Wirtschaftsförderung Brandenburg Unternehmer und Unternehmerinnen zu ihren Erlebnissen, Erfahrungen und Entscheidungen in dieser bewegenden Zeit befragt.

Interne Links

Externe Links